Race-Report - DEM-Finale Zschopau 2023

Jeremy Sydow siegt beim hochdramatischen Finale!

14.10.2023

Die Finalrunde zur Int. Deutschen Enduro Meisterschaft hatte alles zu bieten, um möglichst lang im Gedächtnis zu bleiben. Dramatik, Emotionen, Wetterkapriolen und einen Beinahe-Ausfall des Top-Favoriten auf die Championatskrone Luca Fischeder. 10.000 Zuschauer, so die Angabe des ausrichtenden MSC Rund um Zschopau e.V. im ADAC, verfolgten das Geschehen an der Strecke – auch als Starkregen niederging und den Kurs in eine wahre Schlammwüste verwandelte. Für die einen die Hölle, für die anderen „ein echtes Enduro“.
 

Internationale Deutsche Enduro Meisterschaft (A-Championat)

Luca Fischeder mag eigentlich tiefen Schlamm und wenn die Strecke so richtig schön rutschig ist. Bei derartigen Bedingungen blühte er in der Vergangenheit immer geradezu auf. Ein Vorteil im Kampf um den RuZ-Gesamtsieg? Doch wie schon zuletzt bei seinem Horror-Crash in Rehna, musste er auch in Zschopau eine weitere bittere Pille schlucken. Im ersten Test der zweiten Runde, als der Regen besonders stark zu Boden ging, erwischte er eine tiefe Pfütze derartig unglücklich, so dass der Vergaser Wasser zog. „Ich habe diese Passage komplett falsch eingeschätzt. Das Wasser ging fast bis zur Hüfte. Unglaublich“, berichtet der Sherco-Fahrer, der anschließend mit einem stotternden Motorrad zu kämpfen hatte, welches sogar ausging. In der Hitze des Gefechts versuchte er alles Mögliche, um das Bike wieder zum Laufen zu bingen. Es gelang, nur die Zeit war dahin. Drei Minuten länger war er unterwegs und fiel im Zwischen-Ranking weit zurück, während Team-Kollege Jeremy Sydow einsam an der Spitze unterwegs war. Doch Fischeder ging voll auf Angriff, machte Zeit und Plätze gut, so dass die Aufholjagd auf Platz vier endete. Damit war es geschafft, die Mission der erfolgreichen Titelverteidigung „Internationaler Deutscher Enduro Meister“ gelungen. „Ich bin einfach nur mega happy, dass alles noch gut ausgegangen ist“, zeigt sich der frischgebackene Champion sichtlich erleichtert im Ziel, nachdem er mit viel Applaus und einer großen Sektdusche begrüßt wurde.

Auch bei Jeremy Sydow knallten die Sektkorken. „Rund um Zschopau“ überlegen gewonnen, den E1 Titel klar gemacht und das Championat als „Vize“ abgeschlossen. In der Tages-Wertung lag er sage und schreibe 2:43 Minuten vor dem Zweitplatzierten, Jaroslav Kalny aus der Tschechischen Republik. „Es war wieder megacool, hier in Zschopau zu fahren. Die Fans waren wieder grandios. Ich habe jede Runde und jede Prüfung genossen, trotz des Wetters. Und das Ergebnis ist natürlich auch überragend“, lacht der Tagessieger, der nach dem Malheur seines Sherco-Teamkollegen nicht mehr ans absolute Limit gehen musste.

Tagesdritter und auch Dritter in der Meisterschaft, hinter Fischeder und Sydow, wurde Florian Görner, der aus dem Grinsen gar nicht mehr herauskam. Es war ein gigantischer Tag. Das schlechte Wetter spielte mir in die Karten, da ich solche Bedingungen einfach mag. Und die Massen an Zuschauern, das war einfach nur Wahnsinn. Da habe ich echt Gänsehaut bekommen“, so der KTM-Fahrer, der sich bereits im ersten Test am Daumen verletzt hatte, sich davon aber nicht beeindrucken ließ.

Hinter dem bereits genannten Quartett reihte sich Davide von Zitzewitz an fünfter Stelle ein. Sechster wurde Franz Lofquist, der im letzten Test seine absolute Top-Platzierung einbüßte, denn bis dahin lag er sogar an zweiter Stelle mit einem komfortablen Polster von einer halben Minute auf die Verfolger. „Leider verlor mein Motorrad plötzlich an Leistung, keine Ahnung warum. So war es fast unmöglich, den Hang zu bewältigen. Ich bin schon enttäuscht, es wäre ein tolles Resultat zum Saisonabschluss geworden. Andererseits bin ich happy, überhaupt noch ins Ziel gekommen zu sein, denn es hätte auch ganz anders ausgehen können“, so der schwedische Yamaha-Fahrer, der seine erste Saison in der DEM als überaus positiv in Erinnerung behalten wird und bekundet, auch nächstes Jahr wieder gern in Deutschland fahren zu wollen.

DEM - Klasse E1

Jeremy Sydow ließ mit seiner Leistung und einem weiteren Tagessieg keine Zweifel aufkommen, wer der verdiente E1-Meister ist. Trotz seiner Nichtteilnahme in Rehna holte er mit großem Vorsprung den Titel, da auch der Meisterschaftszweite Edward Hübner (verletzt ausgeschieden in Rehna) und ebenso der Dritte Andreas Beier (Ausfall durch den eingefahrenen Drahtzaun in Waldkappel) einen „Nuller“ zu verkraften hatten. „Es ist schon ein schönes Gefühl, mein erster Deutscher Enduro-Titel“, strahlt der Sherco-Fahrer, der im Ziel von seinem Team unter tosendem Applaus und mit einer großen Sektdusche in Empfang genommen wurde.

„Ich bin zufrieden. Mehr war heute und auch über das Jahr gesehen nicht drin“, zeigt sich Edward Hübner, E1-Vizemeister und Tagesdritter mit sich und der Welt im Reinen. „Ich bin es am Morgen etwas zu vorsichtig angegangen. Ich wollte keinen Sturz riskieren und eventuell wieder auf die Schulter fallen“, so der KTM-Fahrer, der mit Blick auf seinen in Rehna zugezogenen Schlüsselbeinbruch etwas Vorsicht walten ließ, dann aber immer besser in den Tag fand und Dritter wurde.

Andreas Beier schloss seine Saison, geprägt von einigem Auf und Ab, mit einem zweiten Tagesrang ab. „Die Platzierung ist schon okay. Auch Rang sieben im Championat ist jetzt nicht so schlecht, wenngleich für meinen Geschmack aber auch noch deutlich ausbaufähig. Es gibt auf jeden Fall noch Verbesserungspotenzial“, zeigt sich der Beta-Fahrer gewohnt selbstkritisch und schiebt aber noch nach, „beim Heimrennen auf dem Podest zu stehen, ist immer eine feine Sache.“

Kevin Nieschalk (KTM) verpasste um reichliche vier Sekunden das Podium, während Maximilian Wills, die Top Fünf komplettierte.
 

DEM - Klasse E2

Davide von Zitzewitz, ungewohnt und ausnahmsweise auf GasGas unterwegs, schnappte sich im letzten Test den Tagessieg. „Damit habe ich ehrlicherweise gar nicht gerechnet, da ich mich auf dem Skihang ausgebreitet habe und dabei einiges an Zeit verlor. Für Franz ist es natürlich schon etwas schade. Das ist ja nun nicht das erste Mal in diesem Jahr, dass mir der Sieg im letzten Test in den Schoß fällt“, meint der seit Rehna bereits feststehende E2-Meister mit Blick auf Uelsen, als Benjamin Meusel im letzten Test den sicher geglaubten Sieg noch verschenkte. „Nach den zwei Verletzungsjahren bin ich echt froh, dass es in dieser Saison mit allem so gut geklappt hat.“

Hinter dem Zweiten Franz Lofquist stand Chris Gundermann auf dem Podest, der ebenfalls erstmals Bekanntschaft mit dem Skihang schloss. „Es war Qual und Spaß zugleich“, lacht der KTM-Hüne, der grundsätzlich mit seiner Leistung zufrieden war, aber nicht so recht aus seiner Komfort-Zone kam. „Ich bin jetzt nicht schlecht gefahren, aber es fiel mir schwer, bei diesen Bedingungen wirklich ans Limit zu gehen. Daran muss ich noch weiter arbeiten.“

Rang vier ging an Lokalmatador Nick Emmrich (KTM), der bei seinem Heimrennen noch einmal die Rennstiefel anschnallte. Bei derartig taffen Bedingungen bewies er, dass er von seinem fahrerischen Können nichts eingebüßt hat. GasGas-Fahrer Paul Roßbach belegte Rang fünf, was jedoch nicht reichte, um Karl Weigelt (Tagessiebter) noch den Vize-Titel zu entreißen, zumal sich zwischen beide, Gaststarter Zdenek Pitel (Husqvarna) schob, der ohnehin keine Meisterschaftspunkte erhielt. Der neue Vize-Meister war selbst etwas zwischen seinen Gefühlen hin und her gerissen. „Meine Leistung heute war bescheiden. Aber mein Hauptziel, Rang zwei in der Meisterschaft habe ich erreicht“, so der KTM-Fahrer.

DEM - Klasse E3

Ohne das oben bereits beschriebene Malheur wäre der Tagessieg zweifellos an Luca Fischeder gegangen, der den E3-Titel bereits beim vorletzten Saisonlauf in Rehna perfekt machen konnte. Vor dem Sherco-Fahrer platzierten sich Florian Görner als Zweiter und Jaroslav Kalny als Überraschungssieger. Auch der Tscheche selbst war vollkommen perplex. Das habe ich absolut nicht erwartet. Ursprünglich war ein Platz in den Top Zehn der Overall-Wertung mein Ziel. Dort ist es Rang zwei geworden, dazu der Klassensieg. Verrückt, das hätte ich nicht erwartet“, zeigt sich der 18-jährige Sherco-Fahrer ungläubig, der bereits im Vorjahr in Zschopau am Start war. „Schon damals hat es mir hier sehr gefallen. Die Prüfungen, die Strecke, die vielen Zuschauer, einfach klasse!“

Tristan Hanak, der in der Vorwoche in Burg nach langer Verletzungspause sein Comeback gab und dort gewann, hinterließ auch in Zschopau einen starken Eindruck - Platz vier für den KTM-Fahrer. Rang fünf ging an den schwedischen Beta-Fahrer Pontus Skog.

Das Endklassement der Top Drei war schon seit Rehna fest zementiert. Luca Fischeder, vor Florian Görner und Jörg Haustein, der mit seiner Beta auf den Bronzeplatz fuhr, in Zschopau aber nicht über Rang sieben hinauskam.

DEM – Junioren

Zur Saisonmitte sah es noch so aus, als würde der Kampf um den Titel in der dmsj Deutschen Junioren Enduro Meisterschaft besonders eng werden. Doch am zweiten Fahrtag in Uelsen begann die Siegesserie von Robert Friedrich, die über Waldkappel und Rehna nun auch bis Zschopau hielt. Der Tscheche, der mit deutscher Lizenz antritt, blieb auch im Erzgebirge klar bester Junior und gewann den Tag mit fast einer Minute Vorsprung. „Ein perfektes Ende einer tollen Saison. Ich bin extrem happy, dass es mit dem Titel geklappt hat. Vielen Dank an mein Team und meinen Vater, die mir ermöglicht haben, die Meisterschaft in Deutschland zu fahren“, zeigt sich der GasGas-Fahrer sichtlich erfreut.

Der Einzige, der dem Junioren-Meister an diesem Tag halbwegs folgen konnte, war Pascal Sadecki. Der Zschopauer Lokalmatador präsentierte sich vor allem auf dem Enduro-Test in Venusberg bärenstark. „Die Prüfung lag mir wirklich, dafür habe ich in den anderen beiden Tests immer zu viel Zeit liegen gelassen“, ärgerte sich der Fantic-Fahrer ein wenig, wenngleich die Freude schnell wieder überwog. „Rang zwei beim Heimrennen ist schon toll, vor allem vor den vielen Fans. Dazu noch der Vize-Titel, den ich unbedingt gewinnen wollte.“ Denn die zweite Position hatte vor dem Finale noch Leon Thoms inne, der derartiges Gelände wie in Zschopau noch nie gefahren ist. Die Hänge, die schlammigen Wiesen, vieles war für den KTM-Fahrer Neuland. „Ich habe heute Unmengen gelernt, es hat totalen Spaß gemacht, aber meine Stürze waren eindeutig viel zu viel. Ich kann diese nicht einmal an beiden Händen abzählen“, nahm er die Situation mit Humor. Platz sechs in der Tageswertung, Rang drei in der Meisterschaft, so lautet seine persönliche Bilanz.

In der Tageswertung durfte Jeremy Nimmrich als Dritter mit auf das Podest steigen. „Ein Traum, ich freue mich total“, strahlt der KTM-Fahrer über das ganze Gesicht, der sich ein schöneres RuZ-Debüt kaum vorstellen konnte, „es war unglaublich, wie viele Fans uns angefeuert haben und wie euphorisch alle gewesen sind. Wahnsinn!“

Husqvarna-Fahrer Oskar Wolff ließ bei derartig schwierigen Bedingungen mit Rang vier sein Talent aufblitzen, während „Teilzeit-Endurist“ Hannes Lehmann Fünfter wurde. Für den Beta-Fahrer, der sonst den Downhill-Weltcup bestreitet, ist es schon fast Tradition geworden, zum Saison-Ausklang an der DEM teilzunehmen und dort die Etablierten etwas zu ärgern.
 

DEM – Mannschaftswertung

Das Team ADAC Sachsen 1 trat beim Finale wieder mit seiner Bestbesetzung Jeremy Sydow / Edward Hübner / Luca Fischeder an. So stand am Ende des Tages nicht nur ein überlegener Tagessieg zu Buche, sondern auch der Titel des Deutschen Enduro Mannschaftsmeisters. An diesem Erfolg hat auch Karl Weigelt eine Aktie, der in Rehna Jeremy Sydow vertrat.

Rang zwei und drei glichen sich ebenfalls in der Tages- wie auch Jahres-Wertung. Der Vizetitel ging an die Mannschaft ADAC Niedersachsen / Sachsen-Anhalt, welche mit den Fahrern Davide von Zitzewitz / Tristan Hanak / Robert Friedrich in Zschopau an den Start gingen. Zudem wurden über das Jahr noch Yanik Spachmüller und Philipp Müller eingesetzt. Dritter im Endklassement wurde die zweite Mannschaft des ADAC Sachsen, die bei allen neun Saisonläufen in unveränderter Aufstellung Andreas Beier / Florian Görner / Pascal Sadecki antrat.